Vor 10 Jahren kam ein Brettspiel auf den Markt, das das Thema "Fressen und gefressen werden" gut umsetzte. Das Brettspiel Evolution begeisterte nicht nur spielerisch, auch die Grafik war erfrischend. Seitdem erscheinen immer wieder Ableger im selben Stil. Die neueste Veröffentlichung heißt Nature und soll eine familienfreundliche Version von Evolution sein. Wir testen, ob das den Machern gelungen ist.
Evolution in familienfreundlich
Laut Entwickler hat man mit Nature eine familienfreundlichere Version von Evolution umgesetzt. Das Original ist knallhart und wenn man nicht gut plant, dann verhungert eine Spezies oder wird von anderen Spielern gefressen. Das hat man aufgelockert und auch die Spieldauer auf 30-45 Minuten verkürzt.
Das Spielprinzip ist einfach. Wir wollen Tiere über Karten aufbauen und sie fressen lassen. Jedes Fressen bringt uns am Ende Punkte. Durch gewisse Eigenschaften, die man den Tieren gibt, kann man mehr Fressen oder sich gegen entsprechende Feinde schützen. Mit Hörnern kann man sich gegen Fleischfresser wehren und ihnen mit Schnelligkeit davonlaufen. Es spielt auch die Größe der Tiere eine Rolle.
Jedes Tier muss fressen und verliert Populationen, wenn es kein Futter bekommt. Ein Tier (eigentlich eine Spezies) ohne Population stirbt aus, kann nicht fressen und auch keine Punkte machen. Ganz fatal ist, wenn man einen Fleischfresser hat und keine gegnerischen Pflanzenfresser aufgrund der Größe fressen kann. Dann muss man seine eigenen Pflanzenfresser anknabbern.
Das Spielprinzip gefiel uns gut. Evolution hat bei uns mit 7/10 und Evolution: Der Einstieg sogar mit 8/10 abgeschnitten. Nature ändert das Spielprinzip ein wenig und macht es familienfreundlicher.
Monstertiere erschaffen
In Nature ist niemals etwas verloren. Verhungert eine Population oder wird diese gefressen, so werden die umgedrehten Plättchen in der nächsten Runde zu neuen Spezies dazugehängt. Das wird schnell unübersichtlich, wenn auf einmal ein Tier mit etlichen Populationen aufkreuzt. Wie man glaubhaft erklärt, dass aus etwas Totem eine große Spezies entsteht, ist etwas schwierig. Zumindest dämpft es die Frustration über Verlorenes.
Auch wenn kein Futter mehr am Wasserloch ist, kann man mit einer aufgehobenen Karte noch etwas Fressbares heranschaffen. Auch eine Mechanik, die es familienfreundlich macht. Leider vergisst man oft diese Besonderheit.
Schnell, schneller am schnellsten
Eine Änderung gefiel uns besonders. Im Original konnte man nur drei verschiedene Eigenschaften einem Tier zuordnen. In Nature kann man zwar weiterhin nur drei Eigenschaften zuordnen, aber dafür darf es auch die gleiche Eigenschaft sein. Somit kann ein Tier doppelt oder sogar dreimal so schnell sein. Damit wird es deutlich leichter, zu entwischen und zu überleben. Leider haben wir in unseren Runden nur selten davon Gebrauch gemacht, auch weil die Karten dazu fehlten.
Das Thema geht unter
Evolution, das Original aus 2014 schafft es, die Thematik richtig gut einzufangen. Es ist durchaus hart, wenn eine Spezies verhungert oder gefressen wird aber so ist es doch auch in der Wirklichkeit. Auch wenn es nur ein Brettspiel ist, führt die Glaubwürdigkeit des Themas zu einem besseren Spielerlebnis.
Nature macht die Grundmechaniken aus Evolution familien- und einsteigerfreundlicher, aber gleichzeitig wird das Thema nicht mehr glaubhaft. Dazu kommt noch, dass die Spielerhilfen in Evolution zum Zählen der Population und Größe die Übersicht gut bewahrt haben. In Nature kommt es vor, dass man eine Spezies vergisst, wenn der Tisch zu klein ist.
Das Original dauert etwa 60 Minuten und da ist Nature mit 30-45 Minuten deutlich familienfreundlicher. Aber es gibt auch noch Evolution: Der Einstieg mit 30 Minuten aus 2016. Und beide Vorgänger kann man zu fünft spielen. Dafür kommt Nature mit Soloregeln. Das spricht ja nicht unbedingt für ein Familienspiel. Nature lässt mich persönlich etwas verwirrt zurück.
Die große Hoffnung liegt bei den Erweiterungen von Nature. Das können die Vorgänger nicht.
Fünf Module für Abwechslung
Unser Test behandelt zwar nur das Grundspiel aber wir wollen die Module erwähnen. Das Grundspiel hat man recht schnell durchschaut und mit den Modulen kommt dann mehr Abwechslung ins Spiel. Wir können Dinos, Vögel oder anderes Urgetier auf den Tisch bringen oder Katastrophen auslösen.
Fünf Module sind bereits verfügbar (noch nicht alle auf Deutsch) und es sind weitere geplant. Das lässt uns hoffen, dass das Grundspiel dadurch deutlich spaßiger macht. Wir haben uns das leichteste Modul Jurassic zum Grundspiel noch besorgt und ausprobiert. Wir waren zwar nicht Feuer und Flamme aber es tat als Abwechslung sehr gut.
Spieletester
Fazit
Nature lässt uns mit gemischten Gefühlen zurück. Wer das Brettspiel Evolution oder Evolution: Der Einstieg schon zu Hause hat, braucht Nature nicht unbedingt. Nature bringt zwar ein paar Neuerungen in der Mechanik und ist nicht so knallhart wie der Vorgänger Evolution, aber der Unterschied ist dann doch nicht so groß. Vor allem nicht zu Evolution: Der Einstieg, das bereits familienfreundlicher ist.
Hat man die Vorgänger nicht und möchte man viel Abwechslung, dann könnte Nature mit Modulen durchaus überzeugen. Zwar muss man etwas in die Tasche greifen, aber das Spielmaterial ist preiswert und bereitet Freude beim Spielen. Insgesamt gibt es von Dinos bis zu Katastrophen fünf zusätzliche Module zu kaufen. Diese Module erweitern das Grundspiel Nature mit zusätzlichen Karten, Mechaniken und Spielmaterial.
Die Bewertung gilt nur für das Grundspiel, es ist einsteiger- und familienfreundlich und überzeugt mit schönem Material. Spielerisch könnte es noch mehr auf dem Kasten haben und an der Übersicht hätte man noch etwas feilen können. Wir sind gespannt, ob die kommenden Module das Grundspiel aufpeppen.
Plus
- sehr schönes Artwork
- gut organisiertes Inlay
- abwechslungsreich mit Modulen (kostenpflichtig)
- kann man auch alleine spielen
Minus
- Grundspiel mit wenig Unterschied zum Original
- für Abwechslung muss man noch extra Geld ausgeben
- Spezies können unübersichtlich werden
- braucht viel Platz
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Details
220 Nahrungsplättchen
98 Merkmalskarten
90 Populations-Plättchen
20 Größenräder
4 Sichtschirme
1 Wasserstelle-Marker
1 Start-Marker
Spielanleitung
Solo-Anleitung
8 Spielhilfen / Referenz-Karten
6 Solo-Spezialkarten
Statistik
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