Wie weit wärst du bereit zu gehen, wenn deine Welt dem Untergang geweiht ist und dein Blick Tag für Tag zu einem grünen, scheinbar unerreichbaren Paradies am Firmament wandert? Die Völker Thraens unternehmen den verzweifelten Versuch, ihrer harschen Realität zu entfliehen und eine Brücke zwischen den Welten zu bauen.
In Skybridge versuchst du, durch strategische Planung und den geschickten Einsatz deiner Karten, die meisten Machtpunkte mit deinem Volk zu erlangen. Dazu stehen dir mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Dies kann gelingen, indem sich dein Volk am Bau der Weltenbrücke beteiligt, sich die Gunst der Godheiten sichert oder sich dem Rebellenheer entgegenstellt.
Der beschwerliche Weg zum Augenstern
Der Fokus des Spiels liegt darauf, den Bau der Weltenbrücke voranzutreiben und trotz Schwerkraft und aller anderen Widrigkeiten, die grüne Welt, den sogenannten "Augenstern" zu erreichen. Das Spiel geht über mehrere Runden, sobald die Weltenbrücke mit ihrem siebten Abschnitt fertiggestellt ist, endet das Spiel und die erlangten Machtpunkte werden gewertet.
Zu Beginn wird eines der fünf Völker, mit jeweils eigenen Fähigkeiten, gewählt. Anschließend werden Starthandkarten gezogen. Dabei können für Einsteiger die Karten der jeweils passenden Farbe ausgewählt werden, während erfahrenere Spieler die Karten draften. Auch die Charaktertableaus zeigen zwei verschiedene Seiten mit einsteigerfreundlicheren oder komplexeren Fähigkeiten.
Eine Spielrunde besteht aus je drei Phasen. In der Vorbereitungsphase werden neue Karten aufgedeckt. Anschließend folgt die Charakterphase, in der die Spielenden zunächst eine neue Völkerkarte aufnehmen und einen dazugehörigen Bonus wählen. Danach kann eine Völkerkarte ausgespielt werden, wobei sie entsprechend ihrer Rune an den passenden Platz im eigenen Spielbereich gelegt werden muss. Dadurch werden Soforteffekte ausgelöst und gleichzeitig die dauerhaft verfügbaren Fähigkeiten der eigenen Auslage verändert oder erweitert. Wichtig ist, dass Karten aus vorherigen Runden überdeckt werden und ihre Fähigkeiten dadurch nicht mehr zur Verfügung stehen, weshalb taktische Vorausplanung hier besonders wichtig und spielentscheidend ist. Nachdem eine Karte gelegt wurde, werden alle sichtbaren Effekte der eigenen Auslage aktiviert. In dieser Phase können Ressourcen gesammelt, die militärische Macht erweitert oder Godheiten gezogen bzw. ausgespielt werden.
Der Wettlauf um die Weltenbrücke
Mit den erhaltenen Ressourcen kann in der anschließenden Völkerphase am aktuellen Brückenabschnitt mitgebaut werden, wenn alle Voraussetzungen dafür erfüllt sind. Wichtig dabei ist, dass alle Völker gleichzeitig an der Brücke bauen. Sollte es einem anderen Volk also gelingen, einen Abschnitt, für den man gesammelt hat, bereits in einer vorherigen Runde zu errichten, war man leider zu langsam und muss sich auf einen neuen Teil der Brücke konzentrieren. Manchmal kann es taktisch aber auch von Vorteil sein zu warten, da spätere Abschnitte auch mehr Punkte bringen. Wichtig ist es in jedem Fall, den Bau der Brücke im Auge zu behalten, denn wird zu lange gewartet, bauen die Rebellen an der Brücke weiter und niemand erhält Punkte.
Danach wird geprüft, ob man das eigene Volk ernähren kann, gelingt das nicht, führt die Unzufriedenheit zu Rebellion.
Abschließend wird der Start-Drakhe weitergegeben und noch offene Karten abgeworfen. Wurde der siebte Abschnitt der Weltenbrücke fertiggestellt, endet das Spiel, andernfalls geht man erneut zur Vorbereitungsphase über.
Zum Notieren und automatischen Zusammenrechnen der Punkte gibt es virtuelle Wertungsblätter in der Deep Print Games App.
Spieletester
Fazit
Was dieses Spiel meiner Meinung nach thematisch so besonders macht, ist seine langjährige Vorgeschichte. Die Idee zur Skybridge-Welt entstand ursprünglich aus der Illustration von Puzzles. Seither hat Illustrator und Autor Franz Vohwinkel ein eigenes Skybridge-Universum erschaffen und sogar ein Buch dazu geschrieben, welches jedoch leider noch auf seine Veröffentlichung wartet. Auf einer eigens angelegten Homepage kann man tiefer in die Skybridge-Welt und den Entstehungsprozess eintauchen, was ich als extrem interessant empfunden habe (Skybridge). Denn dadurch merkt man noch stärker, wie viel Herzblut, Schweiß und Arbeit hinter diesem Projekt steckt. Dass das Artwork des Spiels wunderschön ist, ist wahrscheinlich nicht weiter verwunderlich, wenn ein Illustrator ein Spiel herausbringt, dennoch will ich es unbedingt lobend erwähnen. Auch das Inlay ist wahnsinnig schön und durchdacht gestaltet. Deshalb verdient die Optik des Spiels für mich eine klare 10/10.
Inhaltlich konnte mich das Spiel allerdings nur teilweise überzeugen. Bei Skybridge handelt es sich um ein asymmetrisches Spiel. Die unterschiedlichen Fähigkeiten der Völker sind meiner Meinung nach aber nicht ganz ausgeglichen, da manche Völker eindeutig mächtigere Vorteile bieten als andere. Auch der Kampf gegen die Rebellen erscheint eher wie eine lästige Nebenaufgabe und ist kein Bereich, der punktemäßig wirklich ins Gewicht fällt. Sich auf militärische Stärke zu konzentrieren macht demnach kaum Sinn, da die meisten Punkte eher durch den Bau der Weltenbrücke oder Godheiten geholt werden können.
Ein Mechanismus, den ich aber wirklich spannend finde, ist die Tatsache, dass man kein übermächtiges Deck entwickelt, sondern die eigene Auslage, aufgrund des Platzmangels, stetig verändern muss. Das macht einerseits den Reiz des Spiels aus, kann aber auch zu Frust führen, da man ständig das Gefühl hat, nicht alle Pläne umsetzen zu können. Dieses ständige Abwägen zeigt aber auch, wie viel taktische Tiefe in dem Spiel steckt. Da alle Völker gemeinsam an der Brücke bauen, ist es auch notwendig, die Schritte der anderen gut im Auge zu behalten, statt sich nur auf das eigene Deck zu konzentrieren, da einem sonst wichtige Punkte durch die Lappen gehen. Mir persönlich ging der Bau der Brücke etwas zu schnell voran, ich hätte mich lieber etwas intensiver auf die Optimierung meines eigenen Decks konzentriert. Allerdings wird das Spiel durch diesen Brückenbau-Stress auch nicht unnötig in die Länge gezogen, weshalb es durchaus Vor- und Nachteile hat und Geschmacksache ist.
Bereits die Spielanleitung schafft Atmosphäre, da es zwischendurch immer wieder kleine Erklärungen zur Geschichte gibt. Im Spiel selbst finden sich allerdings kaum Storyelemente, was ich etwas schade fand, da der Bezug zur Welt während des Spielens deshalb nur minimal gegeben ist. Hätte man bereits vorab das Buch zur Hand, könnte man sich mit Sicherheit besser in die verschiedenen Charaktere und die Geschichte hineinversetzen, was eine persönliche Identifikation mit dem Spiel bestimmt noch verbessern würde.
Trotz kleiner Schwächen ist Skybridge für mich ein spannendes Strategiespiel mit einer außergewöhnlichen Welt, in die ich gerne noch tiefer eintauchen würde.
Plus
- spannende Deckbuilding-Mechanik
- gegenseitige Beeinflussung des Spielgeschehens durch gemeinsames Bauen an der Brücke
- wunderschön illustriert
- praktische Wertungs-App
- hochwertiges Spielmaterial
Minus
- sehr viele verschiedene Symbole, muss anfangs viel nachgeschlagen werden
- unausgewogene Völkerfähigkeiten
- die unterschiedlichen Wege zum Sieg sind nicht ausreichend ausbalanciert
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Details
163 große Karten
1 Spielplan
1 Weltenbrücke aus 9 Teilen
5 Charaktertableaus
20 Godheit-Plättchen
12 Geldplättchen
56 Ressourcenmarker aus Holz
79 Figuren aus Holz
20 Garnisonsmarker aus Holz
2 Würfel
1 Start-Drakhe
7 Aufbewahrungsboxen
1 Spielanleitung
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