Ein verrauchtes Hinterzimmer, zwei skrupellose Industrielle und der unerbittliche Kampf um die Vorherrschaft auf dem Markt. Wer baut die effizienteste Fabrikkette und treibt den Konkurrenten in den Ruin?
Mit dem Originalspiel Furnace gelang dem Autoren Ivan Lashin ein Überraschungshit: Ein schnelles, elegantes Engine-Building-Spiel, das vor allem durch seinen innovativen Bietmechanismus bestach. Der Kobold Spieleverlag hat mit Furnace: Das Duell eine eigenständige Version auf den Tisch gebracht, die speziell für exakt zwei Kontrahenten entwickelt wurde. Während der Vorgänger zu zweit auf einen dritten Spieler per Würfelwurf setzen musste, entfaltet dieses Spiel seine Dynamik ganz ohne künstliche Dritte.
Spielgeschehen und Ablauf
Das Spiel erstreckt sich über genau vier Runden. Jede Runde ist in zwei Hauptphasen unterteilt, die Auktions- und die Produktionsphase. In der ersteren liegen verschiedene Fabriken und Transportunternehmen als Karten in der Tischmitte aus. Die Industriemagnaten setzen abwechselnd ihre Bietscheiben (mit den Werten 1 bis 4) auf diese Karten. Auf jeder Karte darf jeder Spieler nur eine Scheibe einsetzen. Zudem darf kein Wert doppelt ausliegen (Ausnahme sind Spezialeffekte).
Am Ende der Auktion bekommt derjenige mit dem höchsten Wert die Karte und fügt sie seinem eigenen Unternehmen (seiner „Engine“) hinzu. Der Verlierer geht jedoch nicht leer aus. Er erhält eine Kompensation, in dem er eine Bahnlinie auf dem Spielplan besetzt. Er bekommt dann Rohstoffe wie Kohle, Eisen oder Upgrades der beiden verbundenen Städte, multipliziert mit dem Wert seiner eingesetzten Scheibe. Manchmal ist es tatsächlich taktisch klüger, absichtlich eine Auktion zu verlieren, um sich eine Kompensation (z. B. 3x Kohle durch eine 3er-Scheibe) zu sichern, die im Moment wertvoller ist als die Karte selbst.
In der anschließenden Produktionsphase aktivieren beide Spieler gleichzeitig ihre Fabriken. Dann werden Rohstoffe generiert, in höherwertige Güter umgewandelt oder schlussendlich in bares Geld umgemünzt. Durch entsprechende Modernisierungssymbole dürfen Fabriken umgedreht, womit dann mächtigere Produktions- und Umwandlungseffekte freigeschaltet werden. Nach der vierten Runde endet das Spiel sofort. Es gewinnt der Magnat mit dem meisten Geld.
Spielgefühl
Furnace: Das Duell lebt von einer permanenten, unterschwelligen Spannung. Da es sich um ein reines Zwei-Spieler-Spiel handelt, schaut man dem Gegenüber ununterbrochen auf die Finger. Jede Biet-Scheibe, die der Gegner platziert, wirft Fragen auf: Will er die Karte wirklich haben? Oder spekuliert er nur auf eine Kompensation? Kann ich es mir erlauben, ihn zu blockieren?
Da alle Informationen – bis auf die noch kommenden Karten – offenliegen, fühlt es sich phasenweise wie ein hochdynamisches Wirtschaftsschach an. Das Optimieren der eigenen Produktionskette belohnt das Gehirn mit tollen Kettenreaktionen, wenn aus einem einzigen Stück Kohle durch geschicktes Umwandeln am Ende ein riesiger Haufen Geld wird. Es ist schnell, direkt und angenehm konfrontativ.
Hohe Varianz
Das Spiel bietet verschiedene Varianten, das Grundspiel durch das Mieten von Bahnstrecken, die genaue Festlegung von Produktionsketten sowie die Einbindung von Unternehmer zu verändern bzw. zu erweitern, sodass sich die Partien unterschiedlich entwickeln. Die sechs Unternehmer sind individuelle Charaktere, die unterschiedliche Fähigkeiten bzw. Startvorteile mitbringen. Auch die sechs Spielpläne sorgen für unterschiedliche Ausgangssituationen und Strategien in verschiedenen Regionen der Welt. Sie verändern, welche Industrien und Möglichkeiten besonders wichtig sind, bringen zusätzliches Spielmaterial und Sonderregeln mit und beeinflussen damit den Ablauf einer Partie.
Die Kampagne führt über sechs Partien hinweg durch eine zusammenhängende Entwicklung. Jede Partie spielt auf einem der Spielpläne, wobei nach und nach neue Elemente bzw. Regeln freigeschaltet werden. Der Gewinner einer Partie erhält Kampagnenpunkte, der Verlierer genau wie bei einer verlorenen Auktion einen Trostpreis in Form von Vorteilsplättchen, die er in allen folgenden Partien der Kampagne nutzen kann. Zusätzlich bringen diverse Errungenschaften weitere Kampagnenpunkte ein.
Spieletester
Fazit
Furnace: Das Duell ist eine herausragende, reine Zwei-Spieler-Variante des beliebten Engine-Builders Furnace, die das bekannte Biet- und Produktionsprinzip in ein hochspannendes, konfrontatives Duell verwandelt. Ein taktischer Leckerbissen, der mit minimalem Glück und maximaler Interaktion glänzt. Das Regelwerk ist angenehm schlank und lässt sich in wenigen Minuten erlernen.
Auch wenn man am Ende lediglich Plättchen hin und her bewegt und das Thema zwar mechanisch spürbar, aber emotional eher zweitrangig empfunden wird, ist es ein Paradebeispiel dafür, wie man ein erfolgreiches Spielprinzip sinnvoll für zwei Personen zuspitzt.
Es verliert nichts von der Faszination des großen Bruders, gewinnt aber massiv an Direktheit und psychologischer Tiefe. Wer anspruchsvolle Engine-Builder und taktische Mindgames sucht, aber selten eine große Spielrunde am Tisch versammelt, findet hier ein absolutes Highlight für seine Sammlung. Ein hocheffizientes Spielwerk, das bis zur letzten Sekunde fesselt. Wenn allerdings Grübler am Tisch sitzen, kann es schon mal zäh werden, was den Spielfluss dann merklich ausbremst.
Insgesamt bietet Furnace: Das Duell eine interessante Mischung aus Strategie, Planung und Anpassungsfähigkeit. Die Unternehmer, Varianten, Kampagne und sechs Spielpläne sorgen für eine große Abwechslung und Varianz. Sie machen das Spiel besonders für Spieler interessant, die gerne unterschiedliche Strategien ausprobieren. Wer ein anspruchsvolles Spiel für zwei Personen sucht, bei dem Entscheidungen einen großen Einfluss auf den Spielverlauf haben, könnte an Furnace: Das Duell viel Freude haben.
Plus
- kein störender Dummy-Spieler, der Mechanismus greift zu zweit absolut makellos
- cleveres Biet-System mit Belohnung fürs Verlieren
- strategisches Bluffen möglich
- kurze Spieldauer
- tolle Optik und Qualität
- düstere, industrielle Gestaltung fängt das Thema atmosphärisch ein
- hohe Varianz und Interaktion
Minus
- Gefahr einer erhöhten Downtime bei Grüblern am Tisch
- thematisch abstrakt
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Details
3 doppelseitige Spielpläne
25 Fabriken
4 Startfabriken
6 Unternehmer
1 Startmarker
2 farbige Firmenzeichen
8 Auktionsscheiben
32 Holzeisenbahnen
39 Kohleplättchen
20 Eisenplättchen
16 Ölplättchen
20 Technikmarker
32 Münzen
1 Wertungsblock
1 Anleitung
Zusatzmaterial:
1 Übersichtskarte
6 Forschungskarten
15 Fährenplättchen
5 Kampagnenplättchen
Statistik
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