Propolis werden die einen oder anderen vielleicht schon kennengelernt haben, nämlich als Medizin. Es gibt ab auch die Deutung pro (vor) polis (Stadt). Im Spiel haben wir es mit beidem zu tun. Nämlich mit Bienen, die Pollen sammeln, aber auch brav Bauwerke errichten.
Willkommen im Bienenstock!
Jeder Spieler hat einen Bienenstock, der aus einem Startgebäude besteht. Dort wohnen neun Bienen, die auch schon ein paar Ressourcen eingelagert haben. In jedem Zug kann man entweder Bienen zur Wiese entsenden (wodurch man Ressourcen und/oder Bienen sammelt bzw. tauschen darf), sie dort verstärken, sie von dort zurückholen oder aber ein Gebäude oder einen Palast errichten. Der Bau von Gebäuden kostet natürlich Ressourcen und eventuell auch Bienen, bietet aber in weiterer Folge auch Vorteile. Zum Beispiel bieten Gebäude permanente Ressourcen, die ich beim Bau weiterer Gebäude oder eines Palastes einsetzen kann, die dabei aber nicht verbraucht werden! Außerdem bringen Gebäude am Ende Punkte.
Das war alles?
Nein, natürlich nicht! Propolis verbindet Worker Placement nämlich mit Area Control. Es ist wichtig, wo man auf der Wiese seine Bienen einsetzt. Und wenn man um die Mehrheiten rittert, ist das Verstärken ein probates Mittel, sich die Gebietsboni zu krallen. Damit sich aber alle am Spielfortschritt beteiligen, gibt es einen Bonus für diejenigen, die keine Chance auf die Mehrheit haben, aber trotzdem den letzten Schritt im Abschließen von Gebieten setzen.
Bienen sind Teamplayer
Propolis kann im Multispieler-Modus von zwei bis vier Personen gespielt werden. Jedoch bietet das Spiel auch einen Solo-Modus. Bei diesem werkt ein kartengesteuerter Automat, der zwar nicht gewinnen kann, uns aber Ablageplätze und Gebäude streitig macht. Das kann schmerzen, denn das Ziel ist, wie im Prinzip auch beim Mehrspielerspiel, das Sammeln möglichst vieler Punkte. Wenn da jemand "wahllos" Bienen platziert oder Gebäude nimmt, bringt das die Taktik mitunter ordentlich durcheinander.
Spieletester
Fazit
"Bau ein Gebäude" lautet eine Aktionsmöglichkeit. Weise Worte, gelassen ausgesprochen. Aber so leicht ist es nicht! In Propolis will einiges bedacht werden: Welche permanenten Ressourcen bringt mir ein neues Bauwerk? Weil nur permanente Ressourcen können später zum Bau eines Palastes eingesetzt werden. Was kostet es, hab ich genug davon? Bietet die Karte einmalige Belohnungen? Welcher der vier Kategorien gehört die Karte an (was wichtig für die End Wertung sein kann)? Und wofür bringt die Karte am Ende Punkte? Das Spiel hat also auch noch ein wenig Engine Builder im Blut. Und das zeigt uns auch gleich, wohin die Reise geht: Auf den Spieltisch erfahrener Spieler, die gerne strategische Überlegungen anstellen.
Karten kaufen, die einem später Rabatte auf weitere Käufe geben? Da gab es doch mal was ähnliches: Splendor! Der grundsätzliche Ablauf ähnelt sich tatsächlich, im Detail unterscheiden sich die Spiele aber doch. So hat Splendor zum Beispiel einen gemeinsamen Ressourcenpool, der aufgebraucht werden kann; wer mehr bekommen würde, hat Pech! Bei Propolis hingegen hat jeder seinen eigenen Ressourcenpool, der unabhängig davon gefüllt werden kann, was die anderen Spieler aktuell eingelagert haben.
Außerdem finde ich Propolis am Tisch deutlich eleganter: allerorts Holzspielsteine gegenüber der derben Pokerchips, blumige Symbole gegenüber farbigen Kreisen mit Zahlen... Nur diese auf alt getrimmten Buchstaben machen mich ein wenig verrückt: Die sind so verschnörkelt, da verwechsle ich manchmal ein C mit einem D.
Und der Solomodus? Der funktioniert grundsätzlich, ist aber eine pure Optimierungsaufgabe und entsprechend unaufgeregt. Der Automat spielt relativ wahllos, seine kommenden Züge vorherzusehen ist unmöglich (z.B. sammelt er keine Ressourcen für platzierte Gebäude und kann sich neue Gebäude einfach so schnappen). Es wird euch jetzt nicht wundern, wenn ich euch verrate, dass ich lieber im Multispieler-Modus unterwegs bin.
Plus
- hübsch anzusehen
- eingängige Spielregeln
Minus
- flacher Spannungsbogen
- es gilt viel zu beachten, Grübler können das Spiel zerdenken
- der Solo-Modus ist eine Optimierungsaufgabe mit unberechenbaren Störeinflüssen
- die Schriftart der Banner ist gewöhnungsbedürftig
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Details
60 Gebäude-/Landschaftskarten
12 Start-/Palastkarten
4 Lagertafeln
48 Bienensteine
24 Ressourcensteine
16 Solo-Karten
1 Spielanleitung
Statistik
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