Wolf Street ist ein asymmetrisches Spiel, das sich um die Bereiche Wirtschaft und Finanzen dreht. Bist du lieber Manager, oder Investor? In jeder dieser beiden Kategorien wird der jeweils erfolgreichste Spieler zum Sieger erklärt. Es gibt also (meist) zwei Gewinner!
Dieses Spiel ist nur in Englischer Sprache (und chinesisch) erhältlich. Dies bezieht sich aber nur auf die Spielanleitung, das übrige Spielmaterial ist sprachneutral.
Altbewährt
Bei Wolf Street handelt es sich um eine Neuauflage des 15 Jahre alten Spiels Panic on Wall Street, auch als Masters of Commerce bekannt. Da wie dort teilen sich die Spieler in zwei gleich große Lager. In Wolf Street nennen sie sich Manager bzw. Investoren. Jede dieser beiden Gruppen wird am Ende einen siegreichen Spieler hervorbringen (bei Gleichstand vielleicht auch mehrere).
Ja, richtig! Es ist kein kooperatives Spiel. Die Lager spielen auch nicht gegeneinander, sondern man spielt innerhalb der Lager jeder gegen jeden!
Eine Ausnahme bildet das Spiel zu dritt und zu viert, wo nicht nur die Bank mit ein paar neutralen Firmen mitspielt, sondern jeder gleichzeitig Manager und Investor mimt (wobei man als Investor natürlich nicht in die Anteile der eigenen Managerrolle investieren kann). Somit gibt es nur einen Typ von Spieler und am Ende nur einen Sieger.
Das Spielprinzip
Die Manager haben es anfangs recht einfach: Sie ziehen einfach Firmenanteile vom Stapel. Die eigentliche Arbeit startet danach: Es soll gut verhandelt werden! Die Manager wollen ihre Anteile nämlich an die Investoren verticken, wobei dieser Verkauf eher ein Verleih ist, der nur für die aktuelle Runde gilt. Während die Manager möglichst viel Erlös machen wollen, geizen die Investoren so gut es geht mit ihren Ausgaben. Eine Phase von zwei Minuten ist dafür eingeplant, dass alle Spieler am Tisch mit- bzw. gegeneinander um die Aktien feilschen. Die Markttafel gibt einen Anhaltspunkt, wieviel Gewinn (oder Verlust) die Firmenanteile gleich abwerfen könnten. Allerdings gibt es nach unseren Verhandlungen noch einen Würfelwurf, der die Wertigkeiten ein klein wenig durcheinander wirbelt.
Vor der ersten Partie sollten sich die Spieler mit dem Spielmaterial ein wenig vertraut machen. Dies gilt vor allem für die Markttafeln und Kurswürfel. Dann sieht man nämlich recht schnell: Anteile der roten Farbe stellen hohe Renditen in Aussicht, aber auch Geldverluste. Das Pendel kann rasant von einem Extrem ins andere ausschlagen. Dem gegenüber liegen die blauen Firmen: Sie ändern ihre Erträge nur langsam, und diese können nicht so hoch werden, Verluste kann es dafür aber nicht geben. Man weiß also ziemlich genau, wieviel Gewinn sie in dieser Runde abwerfen werden. Gelbe und grüne Unternehmen liegen irgendwo dazwischen.
Einkommen
Nun erhält jeder Investor die Gewinne, für die von ihm erhandelten Unternehmensanteile, von der Bank ausbezahlt. Anschließend bezahlen die Investoren die Summen an die Manager, die sie ausgehandelt haben. Hoffentlich haben sie genug Geld, ansonsten heißt es Konkurs anmelden! Das bedeutet, dass sie in weiterer Folge weniger Anteile kaufen können und am Spielende eine Strafzahlung leisten müssen.
Auf geht's in die nächste Runde
Die Manager behalten die Firmenanteile, die sie gezogen haben. Allerdings müssen sie dafür einen Obulus an die Bank entrichten. Auch hier gilt: Wer nicht zahlen kann, muss mit Konsequenzen rechnen! Wenn aber das ganze Geld für diese Zahlung drauf geht, wird es für die nächste Spielphase eng: Es werden neue Aktien vom Stapel gezogen und über ein gleichzeitiges Einmal-Gebot aller Manager versteigert. Während der Versteigerung haben die Investoren nichts zu tun.
Endabrechnung
Nach fünf Runden gilt es, die vermögendsten Manager und Investoren zu küren. Bei den Managern zählen, neben dem Geld, Sets von gehaltenen Firmenanteilen. Bei den Investoren ist rein der schnöde Mammon entscheidend.
Spieletester
Fazit
Mit 3 bis 11 Spielern bietet Wolf Street eine sehr breite Zahl möglicher Teilnehmer. Bei 3 oder 4 Spielern herrscht aber die Krücke, dass jeder gleichzeitig Manager und Investor ist. In meinen Augen stört das, weshalb ich das Spiel für 5 bis 11 Spieler empfehlen möchte. Natürlich muss man mit steigender Spielerzahl nicht nur einen entsprechenden Spieltisch haben, wo alle Anteile etc. ausgelegt werden können, die Spieler müssen auch noch halbwegs akzeptable Kommunikationswege haben, um in der Verhandlungsphase erfolgreich sein zu können (es agieren ja alle gleichzeitig, was für einiges Durcheinander sorgt). Hierfür bieten es sich zum Beispiel an, abwechselnd Investoren und Manager nebeneinander an den Tisch zu setzen. Oder die Investoren stehen auf und "besuchen" die Manager, um die besten Deals auszumachen. Nicht vergessen: Mit Fortdauer des Spiels steigt die Anzahl der verfügbaren Aktien stetig an, die Verhandlungsphase bleibt aber bei ihrer Länge von zwei Minuten, weshalb die Sache immer hektischer wird.
Generell weiß die Ausstattung zu überzeugen. Keine Angst vor Made in China! Die Spielanleitung ist lückenlos (abgesehen davon, dass sie überschießende Würfelergebnisse nicht erklärt; aber es ist logisch, dass Marker nicht über das Ende ihrer Skalen hinaus ziehen können), was bei einer Neuauflage aber auch nicht verwunderlich ist. Der Spielspaß ist OK. Allerdings muss man sich im Klaren sein, dass man das ganze Spiel über immer dasselbe macht, und dass der Würfel mitunter erheblichen Einfluss auf den Spielausgang hat.
Plus
- eingängie Spielregeln
- gute Spielausstattung
- auch für größere Spielerzahlen als die üblichen Spiele geeignet
Minus
- Wartezeit für die Investoren, während die Manager ihre Versteigerungen machen
- relativ wenig Abwechslung im Spielablauf
- zu dritt und zu viert eher mau
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Details
1 Markttafel
4 Anzeigemarker
4 Kurswürfel
60 Investorenplättchen
39 einfache Unternehmenskarten
7 doppelte Unternehmenskarten
5 Auktionstafeln
5 Stifte
100 Banknoten
1 Spielanleitung
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