Punica

Im assymetrischen Duellspiel Punica schlüpfen wir in die Rolle von Karthago und Rom und kämpfen um die Vormachtstellung im Mittelmeerraum um 200 v. Chr.

Wenn aus dem Geschichtsunterricht auch nur eine einzige Persönlichkeit hängen geblieben ist, dann wohl Hannibal, der mit seinen Kriegselefanten über die Alpen zog, um Rom herauszufordern. Solche verwegenen Ideen faszinieren uns Menschen, glaube ich, einfach. Deshalb habe ich mich von Punica direkt angesprochen gefühlt. Wie es sich gehört, gibt es hier auch eine weiße Spielfigur namens "Hannibal", die im Angriff besonders stark ist.

Die Punischen Kriege als Tüfteloperation

Wer in Punica einsteigt, stellt schnell fest, dass es mit einfachem Drauflosspielen nicht getan ist. Die Ausgangslage ist in jeder Partie gleich: Beide Spieler stellen ihre Armeen und Flotten im eigenen Gebiet auf und erhalten Handkarten, die sowohl für Aktionen als auch im Kampf verwendet werden. Ziel ist es, den Gegner durch die Einnahme von Gebieten beziehungsweise seiner Hauptstadt oder durch das Ausschalten aller gegnerischen Einheiten zu besiegen.

Wer an der Reihe ist, spielt meist eine Handkarte aus und führt die darauf angegebene Aktion aus, zum Beispiel eine Truppenbewegung. Jede Karte besitzt außerdem einen Wert, der im Kampf relevant wird. Treffen gegnerische Einheiten in einem Gebiet aufeinander, spielen beide Spieler verdeckt eine Handkarte aus. Deren Wert wird zur jeweiligen Truppenstärke addiert und wer insgesamt den niedrigeren Wert erreicht, verliert eine Einheit und muss sich aus dem Gebiet zurückziehen. Einige Karten, vor allem jene mit niedrigen Werten, bieten zusätzlich Spezialaktionen, die direkt im Kampf eingesetzt werden können.

Handkartenmanagement ist der Schlüssel

Jeder Spieler besitzt sieben Handkarten und bekommt ausgespielte Karten erst dann wieder auf die Hand, wenn auch alle übrigen gespielt wurden. Da die verwendeten Karten offen ausliegen, lässt sich jederzeit nachvollziehen, was der Gegner noch auf der Hand hat. Einfacher macht es das aber nicht unbedingt. Die Kunst liegt darin, abzuschätzen, ob man seine hohen Karten gleich ausspielt oder für später aufspart.

Ein weiterer Stolperstein: Die letzte ausgespielte Handkarte kommt ganz aus dem Spiel. Ewiges Aufsparen funktioniert also auch nicht. Gerade in den ersten Partien manövriert man sich deshalb gerne in ausweglose Situationen. Da ist eine Partie schnell verloren, weil man irgendeine Kleinigkeit übersehen hat. Wer Punica ernsthaft spielen möchte, muss sowohl die eigenen als auch die gegnerischen Karten kennen und wissen, was sich mit ihren Effekten anstellen lässt. Da sich die Karten der beiden Seiten deutlich unterscheiden, braucht es einige Partien, bis man in dieses asymmetrische Spiel hineingefunden hat.

Spieletester

Fazit

Kurzweilig, wenn man sich erst einmal durch die Regeln gequält hat

Eigentlich ist Punica garnicht so kompliziert, aber die Anleitung hat es fast geschafft, mir die Motivation zum Testen zu nehmen. Die Englische Originalregel liegt bei und ich empfehle wenn möglich, direkt mit dieser oder Youtube zu starten, weil die deutsche Übersetzung an einigen Stellen ziemlich holprig formuliert ist. Leider bleiben auch bei der englischen Variante einige Aspekte bzw. Sonderfälle unklar und wir mussten uns auf eine Regelauslegung einigen. Gerade bei einem so taktischen Spiel wie Punica ist das schade.

Hat man die erste Partie einmal durchexerziert, entfaltet Punica eine spannende Dynamik. Dann geht es darum, die eigenen Karten geschickt einzuteilen und Lücken in der gegnerischen Verteidigung zu finden. Alternativ erarbeitet man sich nach und nach kleine Vorteile, indem man Kämpfe möglichst knapp gewinnt und Niederlagen ruhig einmal deutlich ausfallen lässt. Denn egal, wie groß der Unterschied bei der Kampfstärke ist, die unterlegene Seite verliert immer nur eine Einheit.

Wer taktische Zweikämpfe liebt ist mit Punica nach einer durchaus fordernden Einarbeitungsphase bestens ausgerüstet. Der Punkteabzug begründet sich hauptsächlich durch die dürftige Anleitung.

Redaktionelle Wertung:

Plus

  • komplexes Strategiespiel trotz weniger Regeln
  • schön umgesetztes Thema

Minus

  • Anleitung hat einige Mängel

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 2
Alter: ab 14 Jahren
Spieldauer: 20 Minuten
Preis: 20,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2025
Verlag: Phalanx Games
Autor: Mariusz Rosik
Grafiker: The Mico
Zubehör:

1 Spielfeld
7 Römerkarten
7 Karthagerkarten
8 Römerarmeen
6 Karthagerarmeen
1 Hannibal
3 Römerflotten
3 Karthagerflotten
1 Regelheft
4 Spielhilfen

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