Tag Team

Werden eure Decks zur Legende oder geht ihr im Ring k.o.? Tag Team verbindet strategischen Deckbau mit der unberechenbaren Dynamik eines „Auto-Battlers“. Ein Duell-Spiel, bei dem Timing alles ist und kein Mischen euer Schicksal rettet.

Wenn der Golem den Piraten zum Tanz bittet

Hast du dich schon mal gefragt, wie es wäre, einen mürrischen Golem und einen flamboyanten Piraten á la Captain Jack Sparrow in ein Team zu stecken? Nein? In Tag Team seid ihr nicht nur einfache Kartenspieler, sondern knallharte Manager im Bereich der „Fantastischen Klopperei“. Das Prinzip des „Auto-Battlers“ kommt direkt vom PC auf unseren Tisch – ohne Grafikfehler, dafür mit ordentlich Hirnschmalz.

In diesem Kartenspiel schlüpft ihr nicht einfach in Heldenrollen – ihr werdet zu Regisseuren eines Unfalls in Zeitlupe. Ihr plant eure Züge, baut euer Deck und schaut dann mit schweißnassen Händen zu, wie eure genial gedachte Strategie an einem simplen „Block“-Marker des Gegners zerschellt. Es ist wie Schach, nur mit mehr Kinnhaken und weniger Zeit zum Nachdenken.

Das Gehirn plant, das Deck liefert

Normalerweise sind Kartenspiele ein ständiges „Ich ziehe, ich spiele“. Hier aber seid ihr Architekten eures eigenen Schicksals. Jeder wählt zwei Helden, die ihre eigenen Karten zum Duell mitbringen. Wir starten jeweils mit einem Deck der beiden Chefkarten, die wir beliebig sortieren und nach zwei Zügen ist die erste Runde bereits beendet. Dann kommt der Clou. Aus dem zusammengemischten Nachziehdeck der beiden Helden werden drei Karten gezogen und eine davon dem eigenen Spieldeck an beliebiger Stelle eingefügt. Mischen ist nicht nötig und auch gar nicht erlaubt. Auf diese Weise bestimmen wir die Reihenfolge unserer Züge und wissen genau, wann wir mit Blitzen den Gegner grillen werden.

Sobald jeder seine Vorbereitung beendet hat, werden die Decks einfach Karte für Karte abgearbeitet. Ihr deckt gleichzeitig auf, vergleicht die Werte und verteilt Schaden. Der Reiz liegt im Mindgame. Da es keinen Glücksfaktor beim Ausspielen gibt, ist jeder Fehler zu 100 % der eigene. Wenn ein Mega-Angriff genau in die Parade des Gegners läuft, ist niemand dafür verantwortlich, außer das eigene Unvermögen, die Absichten des Gegenübers zu lesen.

Das sorgt für eine wunderbare „Einer-geht-noch-Rache-Dynamik“. Eine Partie dauert selten länger als 15 Minuten, was meistens dazu führt, dass man drei Stunden später immer noch am Tisch sitzt und schreit: „Dieses Mal habe ich deinen Golem aber wirklich durchschaut!“

Die Kämpfer: Von bodenständig bis völlig verrückt

Die 12 Charaktere sind das Highlight. Sie fühlen sich mechanisch wirklich unterschiedlich an: Einige setzen auf Brutalität (viele Schadenspunkte, wenig Subtilität). Andere spielen mit Markern, die das Deck des Gegners verlangsamen oder seine Heilung blockieren. Wieder andere sind wahre Konter-Künstler, die nur darauf warten, dass du angreifst, um dir deinen eigenen Schaden zurückzugeben.

Ein paar Haare in der Helden-Suppe

Ganz ohne Kritik kommt die Arena nicht aus. Wenn zwei absolute Strategie-Monster am Tisch gegenüber sitzen, kann es manchmal zu einer Art „Rechen-Starre“ kommen, weil man versucht, jede Karte des Gegners mitzuzählen. Zudem gibt es Charakter-Kombinationen, die sich für Anfänger extrem mächtig anfühlen (Hallo, Golem!), was bei Verlierern kurzzeitig für schlechte Laune sorgen kann. Aber hey, das gehört zum guten alten Arcade-Feeling dazu.

Ein Kampf endet, sobald einer der Kämpfer keine Lebenspunkte mehr. Er geht k. o. und sein Team hat damit verloren. Geht von jedem Team ein Kämpfer k. o. oder ihr könnt keine drei Karten mehr nachziehen, endet das Duell mit einem Unentschieden und eine Wiederholung ist angesagt.

 

Spieletester

Fazit

Tag Team ist das perfekte Spiel für alle, die gerne planen, aber keine Lust auf dreistündige Regel-Vorträge haben. Außerdem klären wir hier die drängendste Frage der Menschheit überhaupt: Wer würde gewinnen, wenn eine tollpatschige Piratin und ein meditierender Golem gemeinsam versuchen, einem Kung-Fu-Meister und seinem Roboter-Kumpel die Zähne auszuschlagen?

Das Spiel ist schnell, es ist gemein und es sieht verdammt gut aus. Die zwölf Charaktere bieten so viele Kombinationen, dass ihr wahrscheinlich erst im Jahr 2028 alle Synergien durchschaut habt. Einziges Manko: Wenn man verliert, kann man es nicht auf „schlecht gemischt“ schieben. Man war einfach selbst der schlechtere Architekt seiner Niederlage. Autsch! 

Tag Team ist eine gelungene Evolution des Auto-Battler-Prinzips für den Spieltisch. Die strategische Tiefe entsteht nicht durch komplexe Regeln, sondern durch das präzise Einfügen neuer Karten in eine starre Abfolge. Man muss das Deck des Gegners „lesen“ lernen, um Konter im richtigen Moment zu platzieren. Die hohe Varianz durch die zwölf Kämpfer sorgt für eine enorme Langzeitmotivation, da sich jede Team-Kombination anders spielt. 

Ein gewisser Glücksanteil entsteht eigentlich nur durch das anfängliche Mischen der beiden Decks. Wenn dann in der Deck-Phase allerdings nichts passendes kommt, hilft auch die beste Strategie nichts.

Redaktionelle Wertung:

Plus

  • hohe strategische Kontrolle mit geringem Glücksanteil
  • enorm variabel durch 12 asymetrische Charaktere
  • schnell gespielt
  • farbenfrohes Design
  • Kämpferhandbuch
  • einfache Regeln mit schnellem Einstieg

Minus

  • Karten merken ist nicht Jedermanns Sache
  • eingeschränkte Kartenauswahl

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 2
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: 15 bis 20 Minuten
Preis: 22,99 Euro
Erscheinungsjahr: 2025
Verlag: Kosmos
Zubehör:

120 Kampfkarten

12 Auswahlkarten

12 Kämpfertableaus

40 Stärkewürfel

6 Lebenspunktemarker

4 Spezialmarker

1 Sheriff-Plättchen

1 Golem-Plättchen

1 Schlangen-Plättchen

2 Konzentrationsplättchen

5 Feuer-Plättchen

11 List-Plättchen

1 Kämpferhandbuch

1 Anleitung

 

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