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Atomic Blonde

Verfasst: Donnerstag 7. September 2017, 20:31
von jumpwalker
Sin City. In Farbe. Und buuuunt. Oder besser gesagt: Bis auf den von mir soeben erfundenen Farbton „Nebelblau“ sogar ziemlich farbentkernt.

„Atomic Blonde“ strahlt eine klinische Künstlichkeit aus, ist dabei jedoch sehr stylish und very fashionable. Der enorme Reiz des Films geht vom latent spürbaren Gegensatz der extrem physisch dargestellten Actionlastigkeit und der gleichzeitig ganz und gar unaufgeregten Langsamkeit und Stille von Bildern und Protagonisten aus.

Obwohl in Berlin des zu Ende gehenden Jahres 1989 verortet, versetzt der Film den Zuseher in eine Art Traumwelt, in eine nicht reale Zeit und an einen Ort, der nur in der Phantasie existiert. Dieses Gefühl setzt sich über die gesamte Dauer des Films durchaus im Bewusstsein fest und hält den Zuseher in interessanter Art und Weise aus dem auf der Leinwand ablaufenden Geschehen fern. Aufgrund dieser ungewöhnlichen Wirkung halte ich „Atomic Blonde“ für eine der am besten gelungenen Comic-Adaptionen überhaupt. Ein ähnlich beeindruckendes, nachwirkendes Konzept habe ich bisher nur beim eingangs erwähnten „Sin City“ erlebt.

Dabei lebt „Atomic Blonde“ auch vom beeindruckenden Cast. Charlize Theron als kühle Blonde mit den roten Schuhen, ein extrem spielfreudiger James McAvoy sowie die Charakterriege um Eddie Marsan, Toby Jones und John Goodman hauchen dem Streifen gerade so viel Leben ein wie gerade noch nötig.

Die seltsame Beherrschtheit, in die der Film die Akteure zwingt, wird sehr eindrucksvoll verstärkt durch die exzellente Musikauswahl überdimensionaler 80er-Jahre-Hits und den Kunstgriff, diese stets als Source Music einzusetzen. Ein weiterer Umstand, der den Zuseher an manchen Stellen bewußt daran hindert, zu sehr in die Handlung einzutauchen.

„Atomic Blonde“ nimmt die Spitzenposition im Ranking der ruhigen Actionkracher ein, überzeugt jedoch bei den durchwegs knackigen Kampfszenen mit unfassbarer Körperlichkeit. Und eine knapp fünfzehnminütige blut- und schweißtriefende Prügelorgie, die durch geschickte Schnitttechnik vom Publikum als einzige, durchgehende Szene wahrgenommen wird, hat auch nicht jeder Film zu bieten.

Interessant wäre es zu erfahren, in welcher Weise Lorraine Broughton und John Wick verwandtschaftlich verbunden sind – dass sie es sind, steht außer Frage. In ihren Adern fließt dasselbe Blut. Und es ist nebelblau.

:movie4 - für den Geist der 80er-Jahre und dafür, dass ich mich dadurch unerwartet in meiner Jugendzeit wiedergefunden habe
:movie3 - für all jene, die damals noch nicht mal geboren waren

Re: Atomic Blonde

Verfasst: Montag 11. September 2017, 10:50
von Philipp Stoklassa
Der bestehende Thread war dir wohl nicht gut genug? ;)

Re: Atomic Blonde

Verfasst: Montag 11. September 2017, 12:08
von jumpwalker
Verdammt, hab ich doch tatsächlich aus dem Gedächtnis verloren, dass es da schon was gab....
88- 88- 88-

Re: Atomic Blonde

Verfasst: Montag 11. September 2017, 14:59
von ungeheuer
... und das wo du im anderen Atomic Blonde Thread sogar schon was gepostet hast :lol:

Re: Atomic Blonde

Verfasst: Montag 11. September 2017, 17:20
von jumpwalker
Das Alter schlägt zu schön langsam.
Und ich hatte kurz die Deckung unten... :?