Valerian - Die Stadt der tausend Planeten

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Valerian - Die Stadt der tausend Planeten

Beitragvon jumpwalker » Mittwoch 26. Juli 2017, 08:55

Eingangs gleich mal eine vorsichtige Warnung vor einem Film, der deutlich weniger unterhaltsam ist als dessen Trailer glauben macht!
Wenn der Film mit keinerlei Erwartungshaltung angegangen wird, ist aber eigentlich auch alles halb so schlimm.

Review (spoilerfrei):

Das Science Fiction- und Fantasy-Genre bringt seit den 1950er-Jahren über den Daumen gepeilt jede Dekade ein einzelnes herausragendes und innovatives Kinoerlebnis auf die Leinwand, das einer Revolution der Kunstform Film gleichkommt. Nach einem solchen Kinoerlebnis ist sowohl für die Filmschaffenden als auch für das Publikum nichts mehr so wie es davor war. Diese Filme sind gewissermaßen Impulsgeber für die Branche und führen zu deren gedanklicher und technischer Erneuerung.

Zu solch spektakulären Filmen zählen „The Day the Earth Stood Still“ (Robert Wise, 1951), „2001: A Space Odyssey“ (Stanley Kubrick, 1968), „Star Wars“ (George Lucas, 1977), „Terminator 2: Judgement Day“ (James Cameron, 1991), „The Matrix“ (Wachowski Brothers, 1999), „The Lord of the Rings“ (Peter Jackson, 2001) und „Avatar” (James Cameron, 2009).

Luc Bessons „Valerian and the City of a Thousand Planets” hätte das Zeug zu einem neuerlichen Genre-Meilenstein gehabt! Dabei vereint „Avatar“ und „Valerian“ die nahezu fehlende und der CGI-Explosion bildgewaltiger optischer Effekte völlig untergeordnete Handlung. In beiden Fällen wird dies jedoch keineswegs als störend empfunden – zu staunenswert und farbenfroh sind die Orte, die Landschaften, die Lebewesen und die Ausstattung, die beide Regisseure dem Publikum vorzuführen in der Lage sind.

Dennoch wirkt „Valerian“ seltsam blutleer und künstlich. Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch die pubertär-peinlichen hölzernen Dialoge der beiden Hauptcharaktere Valerian und Laureline, die – obwohl doch eigentlich Top-Agenten der Erdregierung – durch eigene Ungeschicklichkeit permanent in missliche Lagen geraten, aus denen sie einander abwechselnd befreien müssen.

Der teuerste jemals in Europa hergestellte Film verströmt trotz einer akribischen siebenjährigen Vorbereitungszeit stets eine seltsame Sterilität und Seelenlosigkeit.

Luc Besson konnte den Film unabhängig produzieren und nicht zuletzt deshalb seiner offenbar unbändigen Kreativität ungebremst freien Lauf lassen. In der Nachschau wirkt der im Jahr 1997 ebenfalls unter seiner Regie entstandene Science Fiction-Kultfilm „The Fifth Element“ als erste zaghafte Fingerübung zu dem von ihm nun nachgelegten Opus. Dennoch war man vor zwanzig Jahren von der erdigen und überzeugenden Performance der Hauptdarsteller Bruce Willis und Gary Oldman, ja sogar selbst von jener Milla Jovovichs (deutlich) mehr angetan als von jener der „Valerian“-Protagonisten Dane DeHaan, Cara Delevigne und Clive Owen. Vor allem die Beziehung zwischen Valerian und Laureline hätte nach zwei charismatischen Charakteren verlangt. DeHaan und Delevigne erfüllen diese Voraussetzung leider ganz und gar nicht.

„Valerian“ ist zweifellos ein handwerklich einwandfreier Film, erstarrt jeoch in seiner computergenerierten Herstellungstechnik ohne darüber hinaus in der Lage zu sein, wärmere zwischenmenschliche Töne anzuschlagen.

:movie4 auf der CGI-Effekt-Punkteskala der Tricktechnikschmieden
:movie1 auf der Charisma-Punkteskala der Hauptdarsteller
:movie2 für das nach den ersten ansehnlichen 60 Filmminuten ordentlich verstolperte Komplettwerk
Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. (Sir Karl Popper)
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