Victoria

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Philipp Stoklassa
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Victoria

Beitragvon Philipp Stoklassa » Freitag 17. Juli 2015, 17:16

Von der Ausgangssituation ist "Victoria" schon mal einer der spannendsten Arthouse-Filme der letzten Jahre.
Der Film ist komplett "One shot", also ohne einen einzigen Schnitt. Und ist trotzdem stolze 140 Minuten lang und findet an mehrer Schauplätzen statt.

Worums geht? Victoria, ein spanisches Mädl dass sein 3 Monaten in Berlin lebt, lernt in einem Club ein Gruppe von vierJungs kennen. Sie verstehen sich auf Anhieb und verbringen einen lustigen Abend miteinander, bis alles auf einmal vollkommen außer Kontrolle gerät.

Der "One shot" war ja immer schon eine sehr große Kunst im Filmbereich. Alles was passiert, passiert eben, und umso länger der Zeitraum eines Takes, desto mehr kann natürlich passieren. Einen ganzen Film so durchzuhalten ist in meinen Augen ein technische (und schauspielerische!) Meisterleistung. Hitchcock wollte das selbe damals mit "Cocktail für eine Leiche" versuchen, scheiterte aber an den damaligen technischen Möglichkeiten (auf eine Filmrolle passen nun mal nur etwa 10 Minuten Film). Er hat die Schnitte dann durch geschickte Kamerapositionierung (bildschirmfüllender schwarzer Anzug etc) zu verschleiern versucht. Einen ähnlichen, noch weniger konsequenten Weg ging hier Birdman. Abgesehen davon, dass gerade gegen Ende manchmal ganz normale Schnitte vorkommen, wird der Rest vor allem durch sehr viel technischen Aufwand als One Shot präsentiert und die Schnitte unter anderem durch schnelle Kamerabewegungen verschleiert.
Sonst fällt mir eigentlich kein weiteres One Shot-Beispiel ein, außer einer grandiosen viertelstündigen Szene in "Children of Men"!
Während Hitchckock als Schauplatz nur ein Apartment hatte und daher ohnehin eigentlich nur ein Theaterstück abfilmen musste und Birdman sowieso ganz wild schummelt ist "Victoria" ein ehrlicher Film, der in einem einzigen Take gedreht wurde. Also Takes waren es eigentlich insgesamt 3, der dritte wurde genommen. ;) Wenn man bedenkt, was bei so einem Unterfangen alles schief gehen kann: Dreck auf der Linse, Schauspieler fällt aus der Rolle, irgendwer stolpert, läuft durchs Bild etc. Ein wahnsinniger logistischer Aufwand!

Die Figuren sind allesamt grundsympatisch, was die Schauspieler hier leisten (vor allem Victoria und die männliche Hauptrolle "Sonne") kann man denke ich gar nicht genug würdigen (vor allem als Regisseur eines solchen Experiments).

Eigentlich möchte ich da gar nicht mehr länger drum herum reden, "Victoria" ist einer der faszinierendsten Filme der letzten Jahre, mit leichten Abzügen in der B-Note (nicht immer ganz nachvollziehbare Reaktionen der Charaktere, aber mein Gott, sowas gibt's ja dauernd). Einen besonderen Witz bezieht der Film aus dem nicht ganz so einwandfreien Englisch, in dem sich die deutschen Burschen mit der Spanierin unterhalten, ohne dabei jedoch jemals gekünstelt oder gar lächerlich zu wirken.

Auf jeden Fall ein Film, den man gesehen haben sollte!

4,5 Sternderl :movie4

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