Ghost in the Shell

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jumpwalker
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Ghost in the Shell

Beitragvon jumpwalker » Dienstag 4. April 2017, 12:48

Eines vorweg: Animes sind aber so was von ganz und gar nicht mein Ding, dass ich es gar nicht in Worte fassen kann.
So weit so gut.

Nach dieser Einleitung folgt nun ein Geständnis: "Ghost in the Shell" ist ein grandioser Film! Wäre der Kult-SF-Noir-Streifen „Blade Runner“ bei Tag gedreht worden, die Welt hätte jener von „Ghost in the Shell“ aufs Haar geglichen. Die „Blade Runner“-Atmosphäre ist in jeder einzelnen Einstellung sichtbar.

Sieht man davon ab, dass es sich bei Scarlett Johansson um keine waschechte Japanerin handelt, ist sie für diese Rolle perfekt gecastet. Für ihr Auftreten als Cyborg konnte sie ja bereits vor einigen Jahren im (nur schwer erträglichen) Independent-Movie „Under the Skin“ Erfahrung sammeln. Und der heimliche Hauptdarsteller Takeshi Kitano (der Clint Eastwood Japans und ebenso wie dieser Altmeister sowohl als Schauspieler als auch als Kult-Regisseur), ist in der von ihm verkörperten Rolle einfach nur genial.

Der Film ist optisch eine Wucht! Mehr ist dazu einfach nicht zu sagen. Über den Handlungsverlauf selbst kann man wie bei Filmen dieses Genres üblich durchaus geteilter Meinung sein; für einen als Action-Movie relativ klar definierten Film gibt es aber auch in dieser Hinsicht nichts zu meckern. Das alles wird noch getoppt von einer überragenden Filmmusik. Clint Mansell (Hofkomponist von Darren Aronofsky) spielt, wenn er es denn drauf anlegt, in einer ganz und gar eigenen Liga und absolut auf Augenhöhe mit den ganz großen Soundtrack-Komponisten unserer Zeit. Leider scheint es der Original Score nicht auf den Markt zu schaffen ("ein absolutes First World-Problem, aber dennoch extrem ärgerlich, dass man die Musik vermutlich weder auf CD noch als Download zu hören bekommen wird", wie es eine Freundin von mir sehr treffend ausdrückte).

Auch durch die Besetzung kommt „Ghost in the Shell“ in einer spannenden Mischung aus „East meets West“ daher und der Schauplatz ist in einer Fantasiewelt angesiedelt, die man geografisch nicht so leicht einordnen könnte, wären die japanischen Anklänge nicht ganz so dominierend. Auch da gibt es wieder die deutliche Reminiszenz an „Blade Runner“, der eher an einem chinesischen als einem amerikanischen Schauplatz hätte spielen können. Die optische Wirkung des Films bleibt jedenfalls überdurchschnittlich lange erhalten. Obwohl keine wirklich neue Geschichte erzählt wird und auch sonst nichts rasend Innovatives in diesem Film steckt, muss ich mit Nachdruck einen Kinobesuch empfehlen. Wer mit den Stories und der Optik von „Blade Runner“ und „Matrix“ (dem ersten Teil!) sowie mit Abstichen zumindest mit der Optik von „Total Recall“ (dem Remake!) etwas anfangen kann, ist bei „Ghost in the Shell“ perfekt aufgehoben.

:movie4 einwandfrei funktionstüchtige Ghosts in the Shell
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Re: Ghost in the Shell

Beitragvon Philipp Stoklassa » Mittwoch 5. April 2017, 12:21

Hier mein Kommentar von Facebook zum Film:

"Remake, das den Klassiker mehr als respektiert, einige Shots 1:1 übernimmt, der Geschichte neue Stränge, aber nicht wirklich Facetten hinzufügt, erfreulich weniger amerikanisch ist als befürchtet, dafür sehr viel mehr erklärt und so ein wenig von seiner philosophischen Seite einbüßt, dadurch aber west- und Mainstream-tauglicher wird.
Optisch cool gemacht, manchmal dann aber vielleicht doch ein bisschen zu viel Blade Runner auf Extasy.
7,5/10"


@Under the Skin: "schwer erträglich" weil du ihn nicht gut findest, oder schwer erträglich, weil du ihn heftig findest?
Ich für meinen Teil hab den Film nämlich tatsächlich pausieren und am Folgetag weiterschauen müssen, weil das dann doch kein Film für alleine mitten in der Nacht schauen war für mich ;)

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Re: Ghost in the Shell

Beitragvon jumpwalker » Mittwoch 5. April 2017, 18:45

Philipp Stoklassa hat geschrieben:@Under the Skin: "schwer erträglich" weil du ihn nicht gut findest, oder schwer erträglich, weil du ihn heftig findest?

Ich hab den Film vor 2 1/2 Jahren im Gartenbau gesehen und kann bis heute nicht sagen, was mich daran eigentlich bis heute beschäftigt. Der hatte von allen unangenehmen Eigenschaften was zu bieten - schwer verständlich (möglicherweise war das auch das Konzept dahinter), schwer verdaulich, durchgehend verstörend. Dennoch kann ein Film, der mich so lange Zeit verfolgt, nicht schlecht sein. War er auch nicht. So ein Erlebnis hat mir bisher noch kein Kinobesuch verpasst. Ich kann den Film nicht einschätzen, nicht erklären und nicht vergessen. Und den Soundtrack hab ich daheim, einfach aus dem Grund, weil der ebenso schwer erträglich ist wie der Film. Und dennoch ist es eine der besten Filmmusiken, die ich in meiner Sammlung habe. Wenn man davon ausgeht, dass ich Deine Frage nicht beantworten kann, hab ich jetzt ganz schön viel Text losgelassen...
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Re: Ghost in the Shell

Beitragvon Philipp Stoklassa » Donnerstag 6. April 2017, 10:21

Ok, dann ist das aber eh so, wie ich mir das gedacht habe und ich verstehe, was du meinst, denn so ging's mir auch (nur dass ich nicht im Kino war und somit unterbrechen konnte). Definitiv ein faszinierender Film.

"Schwer erträglich" hätte man ja auch im Sinne eines Transformers 2 oder Seltzer&Friedberg-Films oder so verstehen können.
Das wäre dann der Unterschied zwischen "Film unterbrechen" und "Film abbrechen". ;)


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